Brandluckner Huab’n Theater Der Talisman von Johann Nepomuk Nestroy in der Inszenierung von Sigmut Wratschgo

Brandluckner Huab'n Theater Der Talisman von Johann Nepomuk Nestroy in der Inszenierung von Sigmut Wratschgo http://www.foto-MAXL.com | http://www.huabn-theater.at/

Titus Feuerfuchs ist wegen seiner roten Haare ein Außenseiter der Gesellschaft. Schon im Mittelalter verfolgte man rothaarigen Frauen als Hexen, standen sie doch angeblich mit dem Teufel im Bunde. Aber noch in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts hörte man noch des öfteren die Kinder spotten: „Die hat rote Haar, feuerrote Haar sogar“. Die roten Haare mögen heute nicht unbedingt dazu beitragen, ein Außenseiter zu sein, wohl aber andere Merkmale, die zu Vorurteilen verleiten: Nehmen wir die schwarze Hautfarbe – sofort wird an einen Drogendealer gedacht, Arbeitslose werden gerne als Sozialschmarotzer bezeichnet, Unternehmer als Ausbeuter, Politiker als korrupt, die Reichen als Steuerbetrüger, die Armen sind selbst dran schuld, hinter Flüchtlingen vermutet man IS – Terroristen, – so könnten diese Gedanken beliebig weiter gesponnen werden. Meist geht mit so einem Vorurteil auch Angst einher, weil alles, was nicht „unserer Norm“ entspricht fremd und bedrohlich empfunden wird.
Auch Titus Feuerfuchs leidet unter diesen Vorurteilen. In der rothaarigen Gänsehüterin Salome findet er eine verwandte Seele, jedoch bald fühlt er sich zu etwas Höherem geboren: Er rettet nämlich einem „Herzog“ das Leben und erhält dafür eine schwarze Perücke. Als schwarzer Lockenkopf findet er nicht nur Eingang in höchste Kreise sondern auch in die Herzen aller einflussreichen Damen, die, wie könnte es bei Nestroy anders sein, allesamt Witwen sind. Als ihm aber die schwarze Perücke gestohlen wird, beginnt für ihn das Dilemma und das Unglück nimmt seinen Lauf. Die Frauen müssen erkennen, dass sie einem „Rothaarigen“ aufgesessen sind, einzig und allein eine bevorstehende Erbschaft machen ihn trotz der roten Haare wieder „salonfähig“. Aber da durchkreuzt Titus ihre Pläne und,—na ja, es soll ja nicht alles verraten werden!
Wir haben diesmal auf Gegenwartsbezüge (außer bei einem Couplet) verzichtet, weil wir glauben, dass das Problem des Außenseiters, der Vorurteile, zeitlos und allgegenwärtig ist.

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Autor: Johann Nestroy wurde 1801 in Wien geboren und starb 1862 in Graz. Er war Schauspieler und Komödiendichter, er entwickelte die realistische Lokalposse mit glänzender Charakterbildung, urwüchsiger Komik und drastischer Gesellschafts- und Zeitkritik. „Der Talisman“, „Lumpazivagabundus“, „Zu ebener Erd und im ersten Stock“, „Der Zerrissene“, „Einen Jux will er sich machen“, „Das Mädel aus der Vorstadt“, um nur einige zu nennen, machen ihn zum meistgespielten Autor in der Österreichischen Theaterwelt.

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